"Mercosur" ist eine riesige Chance für die EU-Wirtschaft", ja, "unverzichtbar", so kann man es in den großen Massenmedien täglich lesen und hören.
Aber wie sieht es wirklich aus?

Die Firma Faber-Castell ist eine traditionsreiche deutsche Firma, mehr als 250 Jahre alt.
Sie ist ein führender Schreibwarenhersteller.
Seit 1963 betreibt die Firma auch ein Werk in Engelshartszell, Oberösterreich.
Aber damit ist jetzt bald Schluß.
Per 1. Oktober 2026 wird das Werk geschlossen, die Produktion nach Lima in Peru, Südamerika verlagert.
41 Angestellte in Engelshartszell verlieren ihre Arbeitsplätze.

Der Grund ist Mercosur. Denn dieser Freihandels-Vertrag ermöglich den zollfreien Import von Waren, u.a. auch aus Peru in die EU.
Die Löhne in Peru sind so niedrig, daß der Konzern künftig diese Textliner billiger aus Lima - ein Stück über den Pazifik, durch den Panama-Kanal und quer über den Atlantik transportieren lassen kann, als sie weiter in Engelshartszell zu produzieren.

Dabei war die Herstellung in Engelshartszell durchaus profitabel. Dann, in Peru, wird es aber noch profitabler für Faber-Castell.

Wer profitiert davon?
Die 41 Angestellten in Engelshartszell und deren Familien sicher nicht, die werden arbeitslos.
Die österreichische Volkswirtschaft auch nicht, die verliert schon wieder eine Fabrik.
Das österreichische Sozialsystem auch nicht, denn diese 41 Gekündigten zahlen nun nichts mehr ein, sondern werden - zumindest kurzzeitig - arbeitslos sein. Die Älteren werden wohl in Frühpension geschickt werden, wie bei ähnlichen Fabriksschließungen.
Allerdings mit gekürzten Pensionen.

Die EU wird künftig also auch diese Produkte aus einem fremden Kontinent importieren.
Die Autarkie schrumpft also weiter.
Es braucht lediglich der Panama-Kanal blockiert zu sein und schon gibt es diese Bürowaren in Europa nicht mehr.
Da muß gar kein Krieg daran schuld sein, es reicht ein gestrandeter Frachter, wie vor einigen Jahren im Suez-Kanal.

Und das alles nur, damit die Aktionäre von Faber-Castell noch mehr Dividenden einstreichen.

Dafür schickt man künftig noch mehr, mit umweltschädlichem Schweröl betriebene, Frachter um die halbe Welt.

Gäbe es Zölle, wäre dieser Wahnsinn unmöglich.
Aber der Freihandel (Mercosur) macht es nun möglich.

 

Freilich ist das nur ein Aspekt von Mercosur.
Vor allem wird billiges Rindfleisch aus Argentinien nach Europa verfrachtet werden.
Die europäischen Bauern, die hohe Standards bei Haltung, Impfungen, Schlachtung usw. einhalten müssen, können da nicht mithalten.
Damit werden wieder zehntausende Bauernwirtschaften in Europa verschwinden.
Dafür werden die Europäer vermehrt mit Chemikalien durchsetztes argentinisches Rindfleisch vorgesetzt bekommen.
Bricht dieser Fleisch-Strom aber einmal ab, z.B. durch einen Rinderseuche in Argentinien, dann wird Rindfleisch sehr teuer und rar werden in Europa. Denn die Viehzucht kann man nicht von heute auf morgen hochfahren.
Mercosur also gut für die EU-Staaten?

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