Seit den 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts werden mehr und mehr österreichische Firmen an ausländische Großkonzerne verkauft. Das betrifft auch Schlüsselunternehmen, wie die größte und die viertgrößte österreichische Bank, die größte Tageszeitung, das größte Telekomunternehmen usw.
Mehr und mehr entscheiden also Konzernzentralen im Ausland über das Schicksal dieser Firmen und damit die Wirtschaftsentwicklung in Österreich.
Nicht selten werden diese Firmen nur gekauft, um sie stillzulegen oder ins Billiglohn-Ausland zu verlagern.

 

1985:

Semperit Reifen Ges.m.b.H. (Reifenhersteller, gegr. 1831, 1983 vollkommen verselbständigt) -  1985 Verkauf vom Mehrheitsaktionär Creditanstalt an die deutsche Continental AG Hannover, nachfolgend systematischer Abbau der Belegschaft und 2002 Verlagerung der profitablen Produktion nach Tschechien, bis 18. Dezember 2009 auch Liquidierung der Produktion in Tschechien und Slowenien.

 

1987:

Kronen Zeitung (Tageszeitung, gegr. 1900 bzw. 1959) - 1987 zu 50% an die deutsche Funke Medien Gruppe verkauft

 

1988:

Kurier Zeitungsverlag und Druckerei GmbH (Tageszeitung, gegr. 1954) - 1988 zu 49,44% an die deutsche Funke Medien Gruppe verkauft

 

1996:
Gebrüder Thonet KG (Möbelhersteller, gegr. 1842) - Verkauf an einen deutschen Investor, 2000 Weiterverkauf an den italienischen Luxusmöbelhersteller Poltrona Frau, 2006 Schließung des profitablen österreichischen Thonet-Werks und Liquidierung der Firma

 

2000:

Bank Austria AG (Bank, gegr. 1991 durch den Zusammenschluß der gemeindeeigenen Wiener Zentralsparkasse mit der der Republik Österreich gehörenden Länderbank, 1998 Kauf der Creditanstalt AG, 2015: 35.534 Mitarbeiter, 193,6 Mrd. Euro Umsatz) - 2000 Übernahme durch die bayerische Hypovereinsbank durch Aktientausch, 2007 erwarb die italienische Großbank UniCredit die bayerische Hypovereinsbank und damit auch die Bank Austria AG.

Neusiedler AG (Papierherstellung, gegr. 1967 bzw. 1793 als Neusiedler Papierfabrik, 2013:  24.400 Mitarbeiter, 6,476 Mrd. Euro Umsatz) - 2000 Verkauf an den südafrikanischen Mondi-Konzern.

 

2001:

Austria Tabak GmbH (Rauchwarenerzeugung, gegr. 1784, 2016: 380 Mitarbeiter, 2015: 425,01 Euro Umsatz) - ab 1997 privatisiert, 2001 kaufte die britische Gallaher Group alle anderen Anteile, ab 18. April 2007 gehört die Gallaher Group und damit auch die Austria Tabak zu Japan Tobacco International (JTI), Ende 2011, trotz Gewinnen, Schließung der letzten Tabakfabrik in Österreich; seither nur mehr Import und Vertrieb

 

2003:

Römerquelle GmbH (Mineralwasser, gegr. 1925, ab 1965 GmbH) - 2003 Verkauf an die Coca-Cola HBC Austria AG, bis 2012 in Athen ansässig, seither in der Schweiz

Brau Union Österreich AG  (Bierbrauereien, gegr. 1921, Vorläuferfirmen ab dem 15. Jht., 2013: 2187 Mitarbeiter, 2013: 657,8 Mill. Euro Umsatz) u.a. mit den Marken Gösser, Zipfer, Kaiser, Wieselburger, Puntigamer, Schwechater, Edelweiß, Villacher und Schlossgold (alkoholfrei) - 2003 Übernahme der Aktienmehrheit durch den niederländischen Heineken N.V. AG - Konzern.

 

2004:

Frantschacher AG (Papier-, Zellstoff und Verpackungshersteller, 480 Mitarbeiter) - 2004 Verkauf an den südafrikanischen Mondi-Konzern.

 

2007:

BAWAG P.S.K. (Bank, gegr. 1922 bzw. 1947, 2000 Kauf und 2005 Fusion mit der 1882 gegr. staatlichen Österreichischen Postsparkasse AG, 2010: 4000 Mitarbeiter, 42,8 Mrd. Euro Umsatz) - 2007 Verkauf von ca. 90% an den US-Fonds Cerberus Capital Management LP, 2012 Weiterverkauf von ca. 39% an den US-Finanzinvestor GoldenTree Asset Management LP; damit verbleiben 51-52% beim US-Fonds Cerberus Capital Management LP.

Bösendorfer GmbH. (Klavierhersteller, gegr. 1828) - bereits 1966-2002 im Eigentum der US-Firma Kimball International, 2002 an die BAWAG, 2007 mit der BAWAG an den US-Fonds Cerberus, im Dezember 2007 Verkauf an den japanischen Musikinstrumentenerzeuger Yamaha

 

2009:

Austrian Airlines (AUA) (Fluglinie, gegr. 1957, 2008: 8000 Mitarbeiter, 2014: 6000 Mitarbeiter, 2014: 2 Mrd. Euro Umsatz) - 2009 Verkauf der Staatsanteile um symbolische 366.268,75 Euro an die Deutsche Lufthansa AG, 2010 Zwangsabfindung der Kleinaktionäre und damit direkt und indirekt 100% bei der Lufthansa.
Zur AUA gehören mehrere andere Firmen, die früher eigenständigen Fluglinien Lauda Air (gegr. 1979, übernommen 2002, verschmolzen 2013) und Tyrolean (gegr. 1979, endgültig übernommen 1998, verschmolzen 2015).

 

2013:

Rosenberger Restaurant GmbH (Autobahnraststätten, gegr. 1972, 2015: 739 Mitarbeiter, 50 Mio. Euro Umsatz) - am 31. Juli 2013 an zwei chinesische Unternehmer-Familien, die anonym bleiben, verkauft

Rudolf Leiner GmbH (Möbelhandel, gegr. 1910, 1016: 2.900 Mitarbeiter) - seit Herbst 2013 im Besitz des südafrikanischen Steinhoff Konzerns

kika Möbelhandelsgesellschaft m.b.H. (Möbelhandel, gegr. 1973, 2015: 4.800 Mitarbeiter, (gemeinsam mit Leiner): 1,265 Mrd. Euro Umsatz) - seit Herbst 2013 im Besitz des südafrikanischen Steinhoff Konzerns

 

2014:

Telekom Austria AG (Fernmeldedienstleistungen, gegr. 1887, 2014: 16.240 Mitarbeiter, 4,02 Mrd. Euro Umsatz) - bis 1995 staatlich, dann AG, ab Juni 2012 23% der Aktien beim mexikanische Telekommunikationsunternehmen América Móvil, ab Juli 2014 dann rund 51%, im Dezember 2014 bereits 59,7%.

 

Alle Leser sind herzlich eingeladen, mir Ergänzungen mitzuteilen und mich auf Fehler und Irrtümer meinerseits aufmerksam zu machen:

Günter Ofner
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Alle Rechte vorbehalten: Günter Ofner, Gentzgasse 59/9, 1180 Wien, Österreich, Tel.: +43 1 4780170
Bitte respektieren Sie die Urheberrechte und zitieren Sie nur mit exakter Quellenangabe.
Die Verwendung größerer Textpassagen bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.