Seit den 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts werden mehr und mehr österreichische Firmen an ausländische Großkonzerne verkauft.
Seit dem EU-Beitritt Österreichs am 1. Jänner 1995 hat sich diese Entwicklung beschleunigt und alle Branchen erreicht.
Das betrifft auch Schlüsselunternehmen, wie die größte und die viertgrößte österreichische Bank, die größte Tageszeitung, das größte Telekom-Unternehmen, alle Fluglinien, die größte Brauerei, die führende Mineralquellenabfüllung, die größten Papierfabriken, den zweitgrößten Möbelkonzern usw.
Mehr und mehr entscheiden also Konzernzentralen im Ausland über das Schicksal dieser Firmen und damit die Wirtschaftsentwicklung in Österreich.
Nicht selten werden diese Firmen nur gekauft, um sie stillzulegen oder ins Billiglohn-Ausland zu verlagern.

Da ausländische Konzerne auch direkt nach Österreich drängen (Beispiele: IKEA, T-Mobile Austria GmbH, Hutchison Drei Austria GmbH, dm-drogerie markt GmbH & Co. KG, ATV, Mediamarkt) besteht zum Jahresanfang 2018 folgende Situation:

Alle drei großen Telekomfirmen in Österreich (Telekom Austria AG, T-Mobile Austria GmbH, Hutchison Drei Austria GmbH) befinden sich in ausländischem Mehrheitseigentum.
Ebenso beide Fluglinien (Austrian Airlines und Niki Luftfahrt GmbH), zwei der drei großen Einrichtungskonzerne (IKEA, Leiner/Kika), drei der vier privaten Fernsehsender (ATV, ATV II und PULS 4), beide Drogerieketten (dm-drogerie markt GmbH & Co. KG und BIPA GmbH) usw.

 

1985:

Semperit Reifen Ges.m.b.H. (Reifenhersteller, gegr. 1831, 1983 vollkommen verselbständigt) -  1985 Verkauf vom Mehrheitsaktionär Creditanstalt an die deutsche Continental AG Hannover, nachfolgend systematischer Abbau der Belegschaft und 2002 Verlagerung der unverändert profitablen Produktion nach Tschechien, bis 18. Dezember 2009 auch Liquidierung der Produktion in Tschechien und Slowenien.

 

1987:

Kronen Zeitung (Tageszeitung, gegr. 1900 bzw. 1959) - 1987 zu 50% an die deutsche Funke Medien Gruppe verkauft

 

1988:

Kurier Zeitungsverlag und Druckerei GmbH (Tageszeitung, gegr. 1954) - 1988 zu 49,44% an die deutsche Funke Medien Gruppe verkauft

 

1996:

Billa AG (Lebensmitteleinzelhandel, gegr. 1953, 2016: 18.400 Mitarbeiter, - 1996 Verkauf an den deutschen Konzern Rewe Group)

BIPA Gmbh (Drogerieeinzelhandel, gegr. 1982, 2017: 4000 Mitarbeiter) - 1996 Verkauf an den deutschen Konzern Rewe Group

Merkur AG
(Verbrauchermarktkette, gegr. 1969, 2017: 9.500 Mitarbeiter) - 1996 Verkauf an den deutschen Konzern Rewe Group

Gebrüder Thonet KG
(Möbelhersteller, gegr. 1842) - Verkauf an einen deutschen Investor, 2000 Weiterverkauf an den italienischen Luxusmöbelhersteller Poltrona Frau, 2006 Schließung des unverändert profitablen österreichischen Thonet-Werks und Liquidierung der Firma

Vamed AG (Planung, Errichtung und Betrieb von Gesundheitsprojekten, gegr. 1982, 2016: 8.198 Mitarbeiter und 1,160 Mrd. Euro Umsatz) - 1996 Verkauf von 77% an den deutschen Gesundheits-Konzern Fresenius SE & Co. KGaA

 

1998:

Hotel Imperial (Nobelhotel in Wien, erbaut 1863, seit 1873 Hotel) - 1987 Verkauf an die italienische CIGA Gruppe, 1998 Verkauf an die US-amerikanische Starwood-Hotels-&-Resorts-Gruppe, 2016 Verkauf an die Al Habtoor Group (AHG) aus den Vereinigten Arabischen Emiraten

 

2000:

Bank Austria AG (Bank, gegr. 1991 durch den Zusammenschluß der gemeindeeigenen Wiener Zentralsparkasse mit der der Republik Österreich gehörenden Länderbank, 1998 Kauf der Creditanstalt AG, 2015: 35.534 Mitarbeiter, 193,6 Mrd. Euro Umsatz) - 2000 Übernahme durch die bayerische Hypovereinsbank durch Aktientausch, 2007 erwarb die italienische Großbank UniCredit die bayerische Hypovereinsbank und damit auch die Bank Austria AG.

Neusiedler AG (Papierherstellung, gegr. 1967 bzw. 1793 als Neusiedler Papierfabrik, 2013: 24.400 Mitarbeiter, 6,476 Mrd. Euro Umsatz) - 2000 Verkauf an den südafrikanischen Mondi-Konzern.

 

2001:

Austria Tabak GmbH (Rauchwarenerzeugung, gegr. 1784, 2016: 380 Mitarbeiter, 2015: 425,01 Euro Umsatz) - ab 1997 privatisiert, 2001 kaufte die britische Gallaher Group alle anderen Anteile, ab 18. April 2007 gehört die Gallaher Group und damit auch die Austria Tabak zu Japan Tobacco International (JTI), Ende 2011, trotz Gewinnen, Schließung der letzten Tabakfabrik in Österreich; seither nur mehr Import und Vertrieb

 

2003:

Römerquelle GmbH (Mineralwasser, gegr. 1925, ab 1965 GmbH) - 2003 Verkauf an die Coca-Cola HBC Austria AG, bis 2012 in Athen ansässig, seither in der Schweiz

Brau Union Österreich AG  (Bierbrauereien, gegr. 1921, Vorläuferfirmen ab dem 15. Jht., 2013: 2187 Mitarbeiter, 2013: 657,8 Mill. Euro Umsatz) u.a. mit den Marken Gösser, Zipfer, Kaiser, Wieselburger, Puntigamer, Schwechater, Edelweiß, Villacher und Schlossgold (alkoholfrei) - 2003 Übernahme der Aktienmehrheit durch den niederländischen Heineken N.V. AG - Konzern.

 

2004:

Frantschacher AG (Papier-, Zellstoff und Verpackungshersteller, 480 Mitarbeiter) - 2004 Verkauf an den südafrikanischen Mondi-Konzern.

 

2007:

BAWAG P.S.K. (Bank, gegr. 1922 bzw. 1947, 2000 Kauf und 2005 Fusion mit der 1882 gegr. staatlichen Österreichischen Postsparkasse AG, 2010: 4000 Mitarbeiter, 42,8 Mrd. Euro Umsatz) - 2007 Verkauf von ca. 90% an den US-Fonds Cerberus Capital Management LP, 2012 Weiterverkauf von ca. 39% an den US-Finanzinvestor GoldenTree Asset Management LP; damit verbleiben 51-52% beim US-Fonds Cerberus Capital Management LP.

Bösendorfer GmbH. (Klavierhersteller, gegr. 1828) - bereits 1966-2002 im Eigentum der US-Firma Kimball International, 2002 an die BAWAG, 2007 mit der BAWAG an den US-Fonds Cerberus, im Dezember 2007 Verkauf an den japanischen Musikinstrumentenerzeuger Yamaha

PULS 4 (Fernsehsender, gegr. 2004) - 2007 verkauft an den internationalen Medienkonzern ProSiebenSat.1 Media SE

 

2009:

Austrian Airlines (AUA) (Fluglinie, gegr. 1957, 2008: 8000 Mitarbeiter, 2014: 6000 Mitarbeiter, 2014: 2 Mrd. Euro Umsatz) - 2009 Verkauf der Staatsanteile um symbolische 366.268,75 Euro an die Deutsche Lufthansa AG, 2010 Zwangsabfindung der Kleinaktionäre und damit direkt und indirekt 100% bei der Lufthansa.
Zur AUA gehören mehrere andere Firmen, die früher eigenständigen Fluglinien Lauda Air (gegr. 1979, übernommen 2002, verschmolzen 2013) und Tyrolean (gegr. 1979, endgültig übernommen 1998, verschmolzen 2015).

 

2011:

Niki Luftfahrt GmbH (Fluglinie, gegr. 2003, 2017: 840 Mitarbeiter, 2014: 455,7 Mill. Euro Umsatz) - 2004: 24% an die deutsche Air Berlin, 2010: 49,9% an Air Berlin, 2011: 100% an Air Berlin. 2017 insolvent und Verkauf an den britisch-spanischen Konzern International Consolidated Airlines Group S.A,

 

2013:

Rosenberger Restaurant GmbH (Autobahnraststätten, gegr. 1972, 2015: 739 Mitarbeiter, 50 Mio. Euro Umsatz) - am 31. Juli 2013 an zwei chinesische Unternehmer-Familien, die anonym bleiben, verkauft

Rudolf Leiner GmbH (Möbelhandel, gegr. 1910, 1016: 2.900 Mitarbeiter) - seit Herbst 2013 im Besitz des südafrikanischen Steinhoff Konzerns

kika Möbelhandelsgesellschaft m.b.H. (Möbelhandel, gegr. 1973, 2015: 4.800 Mitarbeiter, (gemeinsam mit Leiner): 1,265 Mrd. Euro Umsatz) - seit Herbst 2013 im Besitz des südafrikanischen Steinhoff Konzerns

 

2014:

Telekom Austria AG (Fernmeldedienstleistungen, gegr. 1887, 2014: 16.240 Mitarbeiter, 4,02 Mrd. Euro Umsatz) - bis 1995 staatlich, dann AG, ab Juni 2012 23% der Aktien beim mexikanische Telekommunikationsunternehmen América Móvil, ab Juli 2014 dann rund 51%, im Dezember 2014 bereits 59,7%.

 

2017:

Diamond Aircraft (Flugzeugbauer, gegr. 1981 als Hoffmann Flugzeugbau, 2017: 1200 Mitarbeiter) - seit Dezember 2017 im Besitz des chinesischen Konzerns Wanfeng Aviation Industry Co., Ltd.

 

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Günter Ofner
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