Kaernten Homann 1725

Herzogthum Kärnten von Johann Baptist Homann, ca. 1725

 

In der genealogischen und historischen Forschung stößt man immer wieder auf historische Landschafts- und Landesbezeichnungen, die heute nicht mehr gebräuchlich bzw. bekannt sind oder die mehrere Bedeutungen haben.
Diese, sicher unvollständige, Sammlung listet sie auf und erklärt sie.
Weitere Vorschläge für solche Begriffe sind willkommen, bitte an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! senden,
Betreff: Alte Landschafts- und Landesbezeichnungen

Außerfern - Landstrich im Nordwesten von Tirol am Oberlauf des Lech. Der Name bezieht sich auf den 'Fernpaß' (vom Inntal aus: jenseits des Fernpasses). Es wird durch die Lechtaler Alpen und das Mieminger Gebirge vom Inntal getrennt, ist die einzige Region Tirols, in der Alemannisch gesprochen wird und heute ident mit dem Bezirk Reutte

Burzenland (rum. Țara Bârsei, ung. Barcaság, lat. Terra Borza) - Landstrich im Südosten Siebenbürgens rund um Kronstadt (rum. Brașov, ung. Brassó, lat. Corona/Brassovia, griech. Stephanopolis), bis ins 20. Jht. deutsche Sprachinsel

Deutschösterreich - von 12. November 1918 - 21. Oktober 1919 die offizielle Bezeichnung der Republik Österreich
Vielfach noch lange danach benützter Ausdruck, beispielsweise "Sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschösterreichs" (SDAPDÖ).

Flachgau - in etwa der heutige Bezirk Salzburg-Umgebung und die Stadt Salzburg

Hausruckviertel (Hausruckkreis) - Landesviertel Oberösterreichs, in etwa zwischen dem Fluß Traun und der Grenze zu Niederbayern/Innviertel, heute die Bezirke Vöcklabruck, Eferding, Grieskirchen, die Stadt Wels und die westlich der Traun gelegenen Teile der Bezirke Linz-Land und Wels-Land
1753-1867 Kreis, Verwaltungssitz: Wels

Heideboden (Heidboden) - der nordwestliche Grenzbereich des alte Ungarn südlich der Donau, angrenzend an Niederösterreich, bestehend aus den Gespannschaften Wieselburg (ung. Moson) und Raab (ung. Györ)

Industrieviertel - siehe V.U.W.W.

Innerösterreich - Herrschaftsbereich einer Nebenlinie der Habsburger von 1379/1411–1457 und 1564–1619, bestehend aus der Steiermark, Kärnten, der Krain und dem Küstenland in den damaligen Grenzen, Regierungssitz: Graz

Innerkrain (slowen. Notranjska) - der südöstliche Teil der Krain
1753-1867 Kreis 'Adelsberg', Verwaltungssitz: Adelsberg (slowen. Postojna, ital. Postumia, lat. Arae Postumiae und Postumia)

Innviertel (Innkreis) - Landesviertel Oberösterreichs, bis 1779 bei Bayern
heute die Bezirke Schärding, Ried im Innkreis und Braunau am Inn
1779-1810 und 1816-1867 Kreis, Verwaltungssitz: Ried im Innkreis

Königsboden - Landstrich im Süden Siebenbürgens rund um Hermannstadt (rum. Pământul Crăiesc, ung. Királyföld, lat. fundus regius), bis ins 20. Jht. deutsche Sprachinsel

Landl (bis ins 18. Jahrhundert) - das Land westlich der Traun und östlich des Innviertels, also im Wesentlichen das Hausruckviertel, noch auf die Grafschaft Schaunberg zurückgehend

Landl ob der Enns - das heutige Oberösterreich (bis 1779 ohne das Innviertel)

Lungau - in etwa der heutige Bezirk Tamsweg

Machlandviertel - Landesviertel Oberösterreichs, bis 1779 Landesviertel von Oberösterreich, bestehend aus dem heutigen östlichen Mühlviertel. Die Grenze zum westlich anschließenden Mühlviertel waren der Haselgraben und nördlich davon die Große Rodl.
in etwa der heutige Bezirk Perg und der Osten des Bezirkes Freistadt

Mostviertel - siehe V.O.W.W.

Mühlviertel (Mühlkreis) - Landesviertel Oberösterreichs, bis 1779 nur der Westen des heutigen Mühlviertels, der Osten hieß Machlandviertel (auch Schwarzviertel) und bildete ein eigenes Landesviertel (siehe dort)
1753-1867 Kreis, Verwaltungssitz: Linz

Niederungarn (16. und 17. Jahrhundert) - die westliche und mittlere Slowakei und angrenzende Gebiete außerhalb des Osmanischen Reiches; manchmal auch das gesamte übrige Ungarn außerhalb Oberungarns,
Verwaltungssitz: Preßburg (slowa. Prešporok/Bratislava, ung. Pozsony, kroat. Požun, lat. Posonium)

Niederungarn (18. und 19. Jahrhundert) - alle Gebiete des alten Ungarn außerhalb Oberungarns (ohne Kroatien und Siebenbürgen)

Nösnerland (Nösnergau, rum. Țara Năsăudului, ung. Naszód vidéke) - Landstrich im Nordosten Siebenbürgens rund um Bistritz (rum. Bistrița, ung. Beszterce, lat. ), bis ins 20. Jht. deutsche Sprachinsel 

Oberkärnten - der westliche Teil Kärntens, in etwa die heutigen Bezirke Feldkirchen, Hermagor, Spittal an der Drau, Villach-Land sowie die Statutarstadt Villach
1753-1810 und 1816-1867 Kreis 'Villach' (1810-1816 Teil des Französischen Kaiserreiches)
Verwaltungssitz: Villach (slowen. Beljak, friulan. Vilac, ital. Villaco, lat. Santicum/Santiacum/Villacum)

Oberkrain (slowen. Gorenjska) - der nördliche Teil der Krain
1753-1867 Kreis 'Laibach', Verwaltungssitz: Laibach (slowen. Ljubljana, ital. Lubiana, lat. Labacum, antik Aemona)

Oberösterreich (lat. Austria Superior) - Herrschaftsbereich einer Nebenlinie der Habsburger von 1406-1665, bestehend aus Tirol, Teilen Vorarlbergs und Vorderösterreichs (Breisgau und Streubesitz in Schwaben und im Elsaß), Regierungssitz: Innsbruck

Oberösterreich (umgangssprachlich ab dem 17. Jahrhundert) - ab 2. November 1918 der neue Name des ehemaligen 'Erzherzogtums ob der Enns' in der Republik Deutschösterreich/Österreich
inoffiziell hieß das Land schon seit dem 17. Jahrhundert so

Oberungarn (16. und 17. Jahrhundert) - die östliche Slowakei und angrenzende Gebiete außerhalb des Osmanischen Reiches
auch als Oberungarische Grenzoberhauptmannschaft oder Oberungarisches Grenzgeneralat, lat. supremus capitaneatus (confiniorum) partium regni Hungariae superiorum, 1564–1686 eine eigene Verwaltungseinheit, Verwaltungssitz Kaschau (slowa. Košice, ung. Kassa, lateinisch Cassovia)

Oberungarn (18. und 19. Jahrhundert) (slowa. Horné Uhorsko, ung. Felső-Magyarország/Felföld) - die heutige Slowakei und angrenzende Gebiete

Österreich ob der Enns - das heutige Oberösterreich, früher auch Landl ob der Enns

Österreich unter der Enns - das heutige Niederösterreich

Pinzgau - in etwa der heutige Bezirk Zell am See

Pongau - in etwa der heutige Bezirk St. Johann im Pongau

Riedmark - das östlichste Mühlviertel bzw. auch Machlandviertel,
Abgrenzung: von der Mündung der Aist in die Donau über Aisthofen gegen Perg, von dort in einem Bogen über Münzbach bis nahe an die Donau bei Mitterkirchen, dann wieder landeinwärts bis St. Thomas an Blasenstein, von dort noch einmal bis Pannholz bei Grein und von dort nordwärts nach St. Georgen am Walde bzw. die Landesgrenze zu Niederösterreich

Schwarzviertel (Schwartzviertel) - andere Bezeichnung für das Machlandviertel (siehe dort)

Siebenbürgen (Transsilvanien, Transsylvanien, rum. Ardeal/Transilvania, ung. Erdély) - Land im östlichsten Teil des Karpatenbogens, östlich und südlich begrenzt durch die Ostkarpaten und im Westen durch das Apuseni-Gebirge. Traditionell von Rumänen, Szeklern, Deutschen ('Siebenbürger Sachsen' und 'Landler') und Ungarn bewohnt. Es hatte bis 1867 eine Sonderstellung in Ungarn und gehört seit 1918/20 bzw. wieder 1945 zu Rumänien.

Szeklerland (ung. Székelyföld, rum. Ținutul Secuiesc bzw. Secuime, lat. Terra Siculorum) - Landstrich im Osten und im Zentrum Siebenbürgens; Wohngebiet des magyarischen Stammes der Szekler

Sudetenland - mehrere Bedeutungen für Gebiete in den böhmischen Ländern

a) Sudetenländer: Die österreichischen Kronländer Böhmen, Mähren und Österreichisch Schlesien bis 1918

b) Sudetenland: Provinz des Staates Deutschösterreich 1918 - 1919,
Umfang: die mehrheitlich deutschsprachigen Gebiete in Ostböhmen (Adlergebirge, Grulicher Ländchen), Schönhengst (böhmischer und mährischer Anteil), Nordmähren und Österreichisch Schlesien, Verwaltungssitz: Troppau (tsch. Opava)

c) Sudetenland: Reichsgau des III. Reiches 1938 - 1945,
Umfang: die mehrheitlich deutschsprachigen Gebiete in West-, Nord- und Ostböhmen, Nordmähren und Österreichisch Schlesien, sowie angrenzende mehrheitlich tschechischsprachige Landstriche.
Die mehrheitlich deutschsprachigen Sprachinseln Schönhengst und Wachtl waren angeschlossen, ebenso wie die dazwischenliegenden mehrheitlich tschechischsprachigen Landstriche.
Verwaltungssitz: Reichenberg (tsch. Liberec)
Die mehrheitlich deutschsprachigen Gebiete Südböhmens (Böhmerwald) und Südmährens gehörten nicht dazu. Das gilt auch für die deutschen Sprachinseln von Budweis, Iglau, Olmütz, Brünn und Wischau.

d) Sudetenland: seit 1945 Landschaftsbezeichnung,
Bezeichnung für alle bis dahin mehrheitlich deutschsprachigen Randgebiete in Böhmen, Mähren und Österreichisch Schlesien; manchmal werden auch die ehemals deutschen Sprachinseln im Landesinneren dazugezählt

Tennengau - in etwa der heutige Bezirk Hallein

Traunviertel (Traunkreis) - Landesviertel Oberösterreichs, in etwa zwischen dem Fluß Traun und der Grenze zu Niederösterreich
heute die Bezirke Gmunden, Kirchdorf an der Krems, Steyr-Land, die Städte Linz und Steyr und die östlich der Traun gelegenen Teile der Bezirke Linz-Land und Wels-Land
1753-1867 Kreis, Verwaltungssitz: Steyr

Unterkärnten - der östliche Teil Kärntens, in etwa die heutigen Bezirke Klagenfurt-Land, St. Veit an der Glan, Völkermarkt, Wolfsberg sowie die Statutarstadt Klagenfurt am Wörthersee
1753-1867 Kreis 'Klagenfurt', Verwaltungssitz: Klagenfurt (slowen. Celovec, friaul. Clanfurt, ital. Clanforte, lat. Clagenfurtum)

Unterkrain (slowen. Dolenjska) - der südwestliche Teil der Krain
1753-1867 Kreis 'Neustädtl', Verwaltungssitz: Neustadtl/Neustädtel/Rudolfswerth, slowen. Novo mesto, lat. Nova Urbs)

V.O.M.B. - Viertel ober dem Manhartsberg in Niederösterreich, heute auch Waldviertel genannt
1753-1867 Kreis 'Ober-Manhardsberg', Verwaltungssitz: Krems

V.O.W.W. - Viertel ober dem Wienerwald in Niederösterreich, heute auch Mostviertel genannt
1753-1867 Kreis 'Ober-Wiener-Wald', Verwaltungssitz: St. Pölten

V.U.M.B. - Viertel unter dem Manhartsberg in Niederösterreich, heute auch Weinviertel genannt
1753-1867 Kreis 'Unter-Manhardsberg', Verwaltungssitz: ab 1. August 1753 Gaunersdorf (seit 11. Juni 1917 Gaweinsthal), ab 1. Oktober 1864 Würnitz, ab 1. November 1874 Korneuburg

V.U.W.W. - Viertel unter dem Wienerwald in Niederösterreich, heute auch Industrieviertel genannt
1753-1867 Kreis 'Unter-Wiener-Wald', Verwaltungssitz: Wien, ab 8. Februar 1785 Traiskirchen, ab 19. Juli 1819 Wien-Wieden

Vorderösterreich - habsburgischer Besitz westlich des Arlberg und des Lech, meist Streubesitz
darunter das heutige Vorarlberg, der Breisgau und die Stadt Konstanz

Waldviertel - siehe V.O.M.B.

Weinviertel - siehe V.U.M.B.

Weißkrain (Weiße Mark/Grafschaft Möttling/Mark von Metlika/Grafschaft in der Mark/Metlika, slowen. Bela krajina) - Landstrich um Tschernembl im Südwesten der Innerkrain

 

 

HISTORISCHE LANDESGLIEDERUNGEN

Niederösterreich (bis November 1918: Österreich unter der Enns)

- Waldviertel, V.O.M.B. - Viertel ober dem Manhartsberg in Niederösterreich

- Mostviertel, V.O.W.W. - Viertel ober dem Wienerwald in Niederösterreich

- Weinviertel, V.U.M.B. - Viertel unter dem Manhartsberg in Niederösterreich

- Industrieviertel, V.U.W.W. - Viertel unter dem Wienerwald in Niederösterreich

 

Oberösterreich (bis 2. November 1918: Österreich ob der Enns)

bis 1779
- Schwarzviertel/Machlandviertel

- Mühlviertel

- Traunviertel

- Hausruckviertel

 

ab 1779
- Mühlviertel

- Traunviertel

- Hausruckviertel

- Innviertel

 

Salzburg (1805-1810 und ab 1816 bei Österreich)

- Flachgau

- Tennengau

- Lungau

- Pongau

- Pinzgau

 

Krain
- Oberkrain

- Unterkrain

- Innerkrain

 

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