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Das alte Kronland 'Österreich unter der Enns' wurde auch schon in der Schlußphase der Monarchie umgangssprachlich "Niederösterreich" genannt.
Seine Grenzen waren jahrhundertelang sehr stabil geblieben.
Seit dem Beginn der Neuzeit gab es lediglich diese Veränderungen:

1. Die Stadt Wien (ca. 415 qkm)
Sie war seit 1142/55 die Hauptstadt des Landes gewesen, wurde aber 1920/22 aus parteipolitischen Gründen, die Stadt war sozialdemokratisch, der Rest Niederösterreichs christlichsozial dominiert, als eigenes Bundesland ausgegliedert.
1938 wurde sie während der nationalsozialistischen Fremdherrschaft deutlich vergrößert, 1954 wurde ein Teil dieser Vergrößerung auf Kosten Niederösterreichs, wieder rückgängig gemacht.

2. Die Feldsberger Landesecke (ca. 83 qkm)
Auf Grund des Diktat-Friedens von St. Germain mußte 1920 die nordöstliche Landesecke an die CSR abgetreten werden.
     - die Stadt Feldsberg (tsch. Valtice)
     - das Dorf Garschönthal (tsch. Úvaly)
     - das Dorf Bischofswarth (tsch. Hlohovec)
     - das Dorf Oberthemenau (tsch. Charvátská Nová Ves)
     - das Dorf Unterthemenau (tsch. Poštorná)

Die Dörfer Bischofswarth, Oberthemenau und Unterthemenau hatten eine slowakisch-kroatische Bevölkerung, die sich bereits in der Monarchie muttersprachlichen Unterricht erkämpft hatten.
Die Stadt Feldsberg und das Dorf Garschönthal waren fast rein deutschsprachig (1910: 97% bzw. 98%).
Sie mußten abgetreten werden, weil die CSR die dort durchlaufende Eisenbahnlinie Nikolsburg - Lundenburg haben wollte.
Das Angebot Österreichs diese Eisenbahnlinie auf eigene Kosten auf südmährischem/tschechischen Gebiet neu zu bauen wurde nicht beantwortet. Am 1. August 1920 besetzten CSR-Soldaten die beiden Orte.
1945 ff wurde die gesamte verbliebene deutschösterreichische Bevölkerung kollektiv enteignet und vertrieben.

3. Die Gmünder Landesecke (ca. 113 qkm)
Auf Grund des Diktat-Friedens von St. Germain mußte 1920 die nordwestliche Landesecke an die CSR abgetreten werden.
     - der Ortsteil Unterwielands (tsch. České Velenice)
     - der Ortsteil Böhmzeil (tsch. Česká Cejle)
     - das Dorf Josefschlag (tsch. Žižkovo Předměstí)
     - das Dorf Rottenschachen (tsch. Rapšach)
     - das Dorf Kößlersdorf (tsch. Nová Ves u Klikova)
     - die Ansiedlung Bosna
     - die Ansiedlung Klein London (tsch. Malý Londýn)
     - die Ansiedlung Ochůzky
     - die Ansiedlung Paris (tsch. Paříž)
     - die Ansiedlung Tokániště
     - die Ansiedlung U Cihelny
     - die Ansiedlung U Dračice
     - die Ansiedlung U Kočvaráku
     - die Ansiedlung London (tsch. Velký Londýn)
     - die Ansiedlung Mooshäuser (tsch. Blata)
     - das Dorf Witschkoberg (tsch. Halámky)
     - das Dorf Thiergarten (tsch. Obora)
     - das Dorf Tannenbruck (tsch. Trpnouze)
     - das Dorf Schwarzbach (Tušť)
     - das Dorf Beinhöfen (tsch. Německé/Dvory nad Lužnicí)
     - das Dorf Gundschachen tsch. Kunšach)
     - das Dorf Erdweis (tsch. Nová Ves nad Lužnicí)
     - das Dorf Sofienwald (tsch. Žofina Hu)
     - die Ansiedlung Achat (tsch. Achát)
     - die Ansiedlung Waldhäuser (tsch. Lesní Chalupy)
     - die Ansiedlung Mooshäuser (tsch. Záblatí)
     - die Ansiedlung Fischbachhäuser (tsch. Rybné)
     - das Dorf Zuggers (tsch. Krabonoš)
     - das Dorf Abbrand (tsch. Spáleniště)
     - das Dorf Weissenbach (tsch. Vyšne)
     - das Dorf Naglitz (tsch. Nakolice)

Der südliche Teil dieses Gebietes war deutschsprachig, der nördliche gemischtsprachig.
Sie mußten abgetreten werden, weil die CSR den Eisenbahnknotenpunkt Gmünd-Böhmzeil haben wollte.
1945 ff wurde die gesamte verbliebene deutschösterreichische Bevölkerung kollektiv enteignet und vertrieben.

4. Münichholz und Hinterberg (ca. 3 qkm)
Die Dörfer Münichholz und Hinterberg liegen östlich der Enns. Auf dem anderen Ufer liegt die Stadt Steyr.
Am 15. Oktober 1938, nach der deutschen Okkupation, wurde Münichholz an Steyr angegliedert und damit an "Oberdonau" übergeben.
Ab 1945 bemühte sich Niederösterreich um die Rückgabe.
Am 16. Dezember 1958 entschied der Österreichische Nationalrat endgültig, daß Münichholz rückwirkend mit 1. Mai 1945 bei Steyr und damit Oberösterreich bleiben sollte.
Niederösterreich erhielt dafür 25 Millionen Österreichische Schillinge.

5. Die 5 Orte östlich der Leitha
- Sommerein (ung. Lajtasomorja), Markt (42 qkm)
- Mannersdorf am Leithagebirge, mit Sandberg und Wasenbruck, Markt, ab 1990 Stadt (30 qkm)
- Hof am Leithaberge (kroat. Cimof), Markt (22 qkm)
- Au am Leithaberge, Markt (17 qkm)
Diese vier Orte kamen 1517 zu Niederösterreich.

- Zillingdorf, Markt (15 qkm) kam 1494 von Ungarn an Niederösterreich

Am 15 Juli 1785 kamen diese 5 Pfarren mit Genehmigung von Papst Pius VI. von der Diözese Raab (ung. Györ) an die Erzdiözese Wien.

6. Südmähren und Südostböhmen
In etwa die deutschsprachigen Siedlungsgebiete Südmährens und Südostböhmens waren von Oktober 1938 bis Mai 1945 dem Reichsgau Niederdonau angegliedert. Der Name Niederösterreich war damals, während der deutschen Okkupation, amtlich abgeschafft worden.

Kategorie: Betrachtungen
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