Es ist heute in manchen Kreisen üblich geworden, vergangenen Zeiten mit Arroganz zu begegnen. Die Standardfloskel vom "finsteren Mittelalter" sei hier erwähnt, wobei sich das "finster" eigentlich nur auf die spärliche Quellenlage beziehen könnte - keineswegs auf die Zeitumstände, die mit den heutigen Klischees davon wenig gemein haben.

Auch die "Kaiserin" Maria Theresia wird heute meist nur verächtlich genannt. Ihre Kanzleiordnung, ein Meilenstein in der Verwaltungsgeschichte, der den wirtschaftlichen und kulturellen Aufstieg Österreichs ganz wesentlich bewirkt hat, wird als Beispiel für Überholtes genannt, obwohl diese auch den heutigen Kanzleisystemen weit überlegen war.


Eine weitere Großtat, die Verstaatlichung des Glücksspiels 1761 um Geld - wird heute entweder diffamiert oder einfach verschwiegen. Dabei war auch das ein Meilenstein in der Österreichischen Geschichte und ein wesentliches Element zum Schutz der Bevölkerung.
Denn davor wurde in Österreich auch für alle möglichen ausländischen Lotterien geworben, was natürlich einen ständigen Kapitalabfluß ins Ausland zur Folge hatte.
Mit der Einführung des Staatsmonopols 1761 war das zu Ende.
Die Österreichische Staatslotterie (das kleine Lotto ab 1751) war strengen Regeln unterworfen.
Das Glücksspiel war nun ein harmloser Zeitvertreib, die Spielsüchtigen waren davor geschützt, "Haus und Hof" zu verlieren und die Gewinne flossen zur Gänze in die Staatskassa - kamen also wieder der Allgemeinheit zu Gute.

Spielbanken waren ebenso verboten, wie alle Spiele, wo Gewinne in private Taschen flossen.

Wohltätige Lotterien dagegen waren erlaubt - und auch sehr beliebt.

Natürlich gab es weiterhin auch illegales Glücksspiel in Österreich, aber das fand in dunklen Hinterzimmern verrufener Lokale und privaten Salons statt und schadete nur wenig. Natürlich wurde es auch strafrechtlich verfolgt.
Im Jahr 1904 veröffentlichte das k.k. Justizministerium eine Liste verbotener Spiele, die 1933 ergänzt wurde.

Dieses sinnvolle Prinzip des staatlichen Glückspielmonopols hielt etwa 200 Jahre lang.
Erst dann wurde es langsam aufgeweicht. Staatliche Casinos entstanden, Pferdewetten (u.a. Trabrennen in der Krieau und Gallopperrennen in der Freudenau) wurden vom Staat veranstaltet, das Fußball-Toto (ab 1949), das heutige Lotto (ab 1986), Brief- und Rubbellose, Bingo (ab 1999) usw. wurden eingeführt.
Aber noch war das alles staatlich, strengen Regeln unterworfen und zugunsten des Staates.

Erst mit dem EU-Beitritt 1995 begann es zu zerbröseln. Ausländische Glücksspielkonzerne drängten massiv auf den österreichischen Markt, österreichische Glücksspielkonzerne, die bereits im Ausland tätig gewesen waren griffen aus Eigeninteressen das Staatsmonopol an und mit der Verbreitung des Internet (um das Jahr 2000) brachen dann alle Dämme.
Besonders die Glücksspielautomaten überschwemmten die Städte, jedes dritte Lokal wurde ein Glücksspielsalon. In Wien wurden die Spielautomaten dann im Jahr 2015 durch eine Initiative einer SPÖ-Sektion und gegen den Widerstand des SPÖ-Bürgermeisters verboten.


Schließlich stellte der Europäische Gerichtshof (EuGH) fest, daß die Beschränkung der Konzession auf inländische Betreiber zur Verhinderung von Straftaten unverhältnismäßig sei. Außerdem liege eine Verletzung der Niederlassungsfreiheit und der Dienstleistungsfreiheit vor, weil die Vergabe der Konzession nicht ausgeschrieben worden war. D.h. für den EuGH stellte ein staatliches Monopol für Sportwetten einen Eingriff in das Grundrecht der Berufsfreiheit privater Wettanbieter dar.
Oder mit anderen Worten: Die Gewinne privater Wettanbieter haben Vorrang vor dem Schutz der Bevölkerung.

Heute ist es so, daß das größte private österreichische Glückspielunternehmen, die NOVOMATIC-Gruppe ein internationaler Konzern mit weltweit 24.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 3,9 Mrd. Euro, (2015) geworden ist. Sie ist damit, obwohl sie ja nichts herstellt und keinerlei Wertschöpfung durchführt, zu einer der größten Firmen in Österreich aufgestiegen. Ihr Einfluß auf die Politik ist enorm und Gegenstand behördlicher Untersuchungen (Vorwurf: "Gesetzeskauf").
Ihr ehemaliger Vorstandsvorsitzender Johannes Hahn war danach Wissenschaftsminister der Republik Österreich (2007-2009) und ist seither österreichischer EU-Kommissar in Brüssel.

 

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