Der Klimawandel und seine von manchen Experten prognostizierten katastrophalen Auswirkungen beherrschen derzeit alle Massenmedien. Grund genug, einen kleinen geschichtlichen Rückblick zu machen über historische Klimaveränderungen und ihre Auswirkungen auf die damaligen Menschen.
Wir in Europa sind in der glücklichen Lage, über den Mittelmeerraum etwa 2500 Jahre und über Mitteleuropa etwa 2000 Jahre weit zurückreichende schriftliche Aufzeichnungen zu besitzen und damit anhand dieser zeitgenössischen Beschreibungen das Leben der damaligen Menschen recht treffsicher beurteilen zu können.
Wie war das Klima also?

Optimum der Römerzeit
In der Zeit von etwa 100 v. Chr. bis ins 5. Jahrhundert n. Chr. gab es eine warme Epoche, das sogenannte 'Optimum der Römerzeit'. Es war die Blütezeit der römischen Kultur und Wissenschaft. Ohne diese kleine Warmzeit wäre die Ausdehnung des Römischen Weltreiches bis ins mittlere Schottland (Trajanswall), an Rhein und Donau, Siebenbürgen und quer über den Kaukasus bis an den Kaspischen See wohl kaum möglich gewesen. Die nordafrikanischen Provinzen von Marokko bis Ägypten waren die Kornkammern des Reiches, deren Überschüsse die Metropole Rom ernährten.
Diese Jahrhunderte waren für die Bevölkerung glückliche Zeiten, Kriege gab es lediglich an den (meist weit entfernten) Grenzen, Die 'pax romana' im Inneren und die gute Versorgungslage ließen die Bevölkerungszahl wachsen und erstmals eine Infrastruktur entstehen, die noch heute für Süd-, West- und Mitteleuropa prägend ist. Mit der Überwindung der antiken Religionen durch das Christentum erlebte auch die ethisch-sittliche Weiterentwicklung einen Quantensprung. Tier- und Menschenopfer verschwanden ebenso wie die grausamen Gladiatorenspiele. Die blutigen Tierhetzen wurden allmählich durch Wagenrennen abgelöst.

Pessimum der Völkerwanderungszeit
Im 5. Jht. wurde diese Warmzeit durch das 'Pessimum der Völkerwanderungszeit' abgelöst. Die Zeit von 535-660 bezeichnet man sogar als 'kleine Eiszeit der Spätantike. Das Klima wurde feuchter, die Winter kälter, Stürme und Überschwemmungen führten zu Landverlusten an den Atlantikküsten. Kulturland ging verloren, Mißernten führten zu Hungersnöten und damit verbundener Massenmigration, der 'Völkerwanderung', der schließlich das Weströmische Reich erlag. Die Bevölkerungszahl sank. Die Alpengletscher stießen weit vor, vernichteten Kulturland und unterbrachen Pässe. Bedingt durch die verminderten Abwehrkräfte der Menschen und die durch das feuchtere und kühlere Wetter begünstigte Tröpfcheninfektion griffen Seuchen wie Lepra, Pest und Pocken um sich. Der Höhepunkt war wohl der Ausbruch der 'Justinianischen Pest' um 540, die dann bis etwa 770 immer wieder aufflackerte. Diese schweren Krisen begünstigten auch die Expansion der Araber (islamische Eroberungen), die das Oströmische Reich seine afrikanischen und den Großteil seiner asiatischen Besitzungen kostete.

Mittelalterliche Warmzeit

Im 10. Jht. änderte sich das Klima wiederum. Es wurde wärmer, die 'Mittelalterliche Warmzeit' begann und hielt bis ins 14. Jht. an. Besonders die Zeit von 950-1250 war sehr warm. Die Menschen begannen verlorenes Kulturland zurückzugewinnen, die Straßenverbindungen der Römerzeit wieder herzustellen und viele römische Ruinenstädte wieder aufzubauen. Das 'Goldene Hochmittelalter' war eine Blütezeit. Die Landwirtschaft war so ertragreich, daß die sich die Bevölkerungszahl Europas von 1100 - 1400 fast verdreifachen konnte. Alleine im Heiligen Römischen Reich wurden 5000 Städte gegründet, Handel, Gewerbe und Wissenschaft blühten auf.
Bedingt durch das warme Klima gab es bis zur Ostsee und sogar in England Weinbau.
Der Baustil der himmelsstrebenden Gotik war eine der Ausprägungen dieser Blütezeit. In seiner Spätphase wurden auch die ersten Universitäten in Mitteleuropa gegründet (Prag 1348, Krakau 1364, Wien 1365).
Im Norden Europas gelang es den Wikingern, Island und später sogar Grönland zu erreichen und dauerhaft zu besiedeln. Ja es gab zeitweise sogar an der nordamerikanischen Küste Wikingersiedlungen.
Gleichzeitig erlebte das Oströmische Reich von Konstantinopel seine letzte Blütezeit, ebenso das arabisch-islamische Abbasiden-Reich von Bagdad in Mesopotamien.

Kleine Eiszeit
Ab etwa 1250 setzte die sog. 'Kleine Eiszeit' ein. Eine Periode relativ kühlen Klimas, die bis ins 19. Jht. andauerte. Es gab nun vermehrt sehr kalte und lange Winter und feuchtkalte Sommer. Die Agrarproduktion ging zurück. Teuerungen und Hungersnöte waren die logische Folge. Die sozialen Spannungen wuchsen. Um 1350 kehrte, begünstigt durch Mangelernährung und feuchtkaltes Klima, auch die Pest nach fast 600 Jahren nach Europa zurück. Der 'Schwarze Tod' raffte innerhalb weniger Jahre ein Drittel der europäischen Bevölkerung dahin. Während der nächsten 400 Jahre gab es immer wieder Pestepidemien, in Österreich die letzte erst 1713. Aber auch die Pocken und die Lepra griffen wieder um sich.
Schwere Stürme und Sturmfluten verwüsteten die Länder und schrieben die Küstenlinien neu. Die 'Erste Grote Mandränke' (Zweite Marcellusflut) 1362 und die Burchardiflut von 1634 seien hier als Beispiele genannt. Weite Küstenregionen und Inseln versanken für immer in den Fluten.
Die Alpengletscher stießen wieder weit in die Täler vor und so mache Sage von der 'Übergossenen Alm' ist darauf zurückzuführen. Abwanderung und Not waren die Folgen.
Die 'Spätmittelalterliche Agrarkrise' ließ viele Landstriche veröden, die Wikinger in Grönland starben aus.
Besonders die Zeiten 1570-1630 und 1675-1715 waren extrem kalt.
Es ist kein Zufall, daß das auch schlimme Kriegszeiten waren. Das große Königreich Ungarn war, auch geschwächt durch die Kaltzeit, dem osmanischen Ansturm erlegen und nun drangen deren Kriegsscharen mehrmals bis an die Enns vor. Und es war wohl kein Zufall, daß auch der Beginn des 30jährigen Krieges 1618 und die beiden verheerendsten Pestwellen der Neuzeit in Österreich 1679/80 und 1713 in diese extremen Kältezeiten fielen.

Eine der Folgen der Kaltzeit war der Zerfall der Kirche. Johannes Hus im 15. Jht., Martin Luther, Huldrych Zwingli und Johannes Calvin im 16. Jht. reformierten und spalteten damit die bis dahin einheitliche Westkirche, was weitere Konflikte und Kriege auslöste.
Und auch der Hexenwahn der frühen Neuzeit, oft wurde 'Wetterzauber' unterstellt, war eine direkte Folge des unbeständigen und rauhen Klimas.
Eine weitere Folge der 'Kleinen Eiszeit' mit ihren immer wiederkehrenden Hungersnöten war die Massenemigration nach Amerika, später auch nach Australien, Neuseeland usw., die die dortige Vorbevölkerung nicht nur unterwarf und verdrängte, sondern oft auch weitgehend ausgerottet hat.
Natürlich waren immer mehrere Faktoren für alle diese Entwicklungen verantwortlich, aber ohne die 'Kleine Eiszeit' hätte es alle diese Krisen wohl nicht gegeben.

Mehr Gelassenheit
Deshalb halte ich die Analyse des deutschen Historikers Wolfgang Behringer ('Kulturgeschichte des Klimas. Von der Eiszeit bis zur globalen Erwärmung', München 2007), der für mehr Gelassenheit im Umgang mit der gegenwärtigen Klimakrise eintritt, für sehr vernünftig.
Behringer stellte die These auf, daß Abkühlung immer in schwere Erschütterungen der Gesellschaft“ mündete, während Erwärmung manchmal kulturelle Blüte bewirkte. In der gegenwärtigen Erwärmung verbergen sich daher laut Behringer nicht nur Gefahren, sondern auch Möglichkeiten.

Was wird geschehen?
Wärmere Zeitabschnitte bedeuten, daß die Grenzen für den Ackerbau weiter nach Norden vorgeschoben werden können und auch in den Gebirgsregionen höher steigen werden. D.h. es wird dadurch (wieder) mehr Kulturland – mehr Nahrungsmittel geben, angesichts der rasanten Bodenversiegelung ohnehin dringend nötig. Gleichzeitig wird auch die Waldgrenze in nördlichere Regionen und höher in die Bergregionen vordringen, das Ödland wird kleiner – eine sehr positive Entwicklung wie ich meine.
Wie schon in den beschriebenen Wärmeperioden schrumpfen nun die Alpengletscher und manche werden wohl (wieder) ganz verschwinden. Für die Wasserversorgung wird das aber nur geringe Auswirkungen haben.
Zu den befürchteten Naturkatastrophen durch die Erwärmung reicht ein Blick auf die Naturkatastrophen der 'Kleinen Eiszeit' (siehe oben) um zu wissen wovor wir uns wirklich fürchten sollten.

Bleibt also noch die Horror-Prophezeiung vom steigenden Meeresspiegel, der viele Inseln und Küstengebiete verschlingen wird. Obwohl alle Weltmeere miteinander verbunden sind, gibt es, abhängig von der Stärke des Erdmantels,  beim Meeresspiegel sehr große Unterschiede. Und auch heute ist die Tendenz keineswegs einheitlich. In manchen Meeresregionen steigt der Meeresspiegel an, in anderen fällt er, auch das ist seit Jahrtausenden so.
Tatsächlich ist der Meeresspiegel seit rund 7000 Jahren sehr stabil. Er schwankte in den letzten zweitausend Jahren insgesamt um etwa ± 8 cm.
Und deshalb sind die vielen Inseln des Mittelmeeres, über die wir seit mindestens 2500 Jahren schriftliche Aufzeichnungen besitzen, nie untergegangen und auch nie deutlich größer geworden. Zonen geologischer Aktivität und dort wo Flüsse, wie beispielsweise Nil oder Po Aufschüttungen bewirken, sind hier natürlich nicht gemeint. Die sehr flache Adriainsel Grado beispielsweise, sie liegt nur ganz knapp über dem Meeresspiegel, ist seit 2000 Jahren kontinuierlich besiedelt und ein wichtiger Hafen. Hätte es gravierende Änderungen des Meeresspiegels gegeben, dann hätte sie abwechselnd unter Wasser liegen, bzw. in den Warmzeiten ihr Hafen verlandet gewesen sein müssen. Nichts davon ist passiert. Und dasselbe gilt für die Inseln von Venedig, Ragusa (Dubrovnik) und hunderte andere.
Und das gilt auch für andere Weltgegenden, wie beispielsweise für die Malediven, wo manche Inseln lediglich einen Meter über dem Meeresspiegel liegen. Auch sie sind schon seit mindestens 2500 Jahren durchgehend besiedelt, seither also nie untergegangen.
Daß dort trotzdem einige Siedlungen heute vom Meer bedroht sind liegt an der enormen Zunahme der Bevölkerungszahl - sie hat sich in den letzten 70 Jahren mehr als verfünffacht – und der daraus folgenden Bebauung von Strandbereichen, die dafür eben nicht geeignet sind.
Ähnliches gilt für Bangladesch, dessen Landfläche durch die Aufschüttungen der Flüsse Brahmaputra, Ganges und Meghna kontinuierlich anwächst. Aber durch die Bevölkerungsexplosion – in den letzten 70 Jahren hat sich die Bevölkerungszahl mehr als vervierfacht – werden nun auch neuaufgeschüttete Küstenstriche besiedelt, die dafür eben nicht geeignet sind.

D.h. hier wie dort ist die Bevölkerungsexplosion das Problem und nicht der Klimawandel.
Wovor fürchten wir uns also?

Man möge mich bitte nicht falsch verstehen
Es ist zweifellos sinnvoll, fossile Energie möglichst durch erneuerbare zu ersetzen. Besonders bei der Windkraft besteht hier in Europa noch ein riesiges Potential. Es ist auch sinnvoll, die Ballungsräume zu begrünen und zwar im vielerlei Hinsicht. Und es ist sicher sinnvoll, die Abholzung der Wälder in Asien, Afrika und Amerika zu beenden, bzw. diese Flächen neu aufzuforsten.
Dagegen sollte man statt des ständigen Ausbaues des Flugverkehrs diesen endlich dramatisch einschränken, z.B. über eine Besteuerung des Flugbenzins, das ja unverändert steuerbefreit ist. Man sollte den energieintensiven Interkontinentalhandel deutlich einschränken und die lokale und regionale Versorgung fördern. Jedes Kleidungsstück aus Asien und jedes Lebensmittel aus Südamerika, das um den halben Erdball nach Europa verschifft wird, ist eine ökologische Belastung. Und man sollte endlich die Exportförderungen streichen, die diese bizarren Verschiebungen von Waren rund um die Erde erst lukrativ machen.
Auch die galoppierende Zentralisierung unserer Strukturen (Zusammenlegung von Gemeinden, Bezirken, Krankenhäusern usw.) verursacht zwangsläufig mehr Verkehr und daher Energieverschwendung.

Das zentrale Problem
Eine der wichtigsten Maßnahmen wäre es das Bevölkerungswachstum einzudämmen, d.h. in Afrika, Amerika und Asien die Kinderzahl pro Familie auf 2-3 zu senken. Denn diese Bevölkerungsexplosion mit dem damit untrennbar verbundenen steigenden Energie- und Ressourcenverbrauch und die daraus resultierenden globalen Wanderungsbewegungen ist der wahre Grund für viele, ja beinahe alle Probleme der Gegenwart.

Die pro Kopf CO2-Emissionen Chinas haben sich von 1990-2011 verdreifacht und liegen inzwischen höher als in Europa. Da China rund doppelt so viele Einwohner hat wie ganz Europa und fast drei Mal so viele wie die EU – eine dramatische Entwicklung. Ähnliche Zuwachsraten gab es in Indien, Indonesien usw., wenn auch von einem niedrigeren Niveau ausgehend. Und dort hat sich gleichzeitig in diesen ca. 20 Jahren die Bevölkerungszahl fast verdoppelt – eine dramatische Kombination.

Scheinlösungen
Man sollte sich auch hüten, Scheinlösungen wie das Elektroauto zu propagieren. Dieses kann, bedingt durch die benötigten zusätzlichen Rohstoffe (Lithium usw.), den dafür nicht vorhandenen Strom und in den Ballungsräumen auch die dafür nötigen aber nicht schaffbaren Millionen von Ladestellen die benzinbetriebenen Autos und LKW nicht ersetzen.
Und gerade die Atomkraft als Teil-Lösung "einer großen neuen kohlenstofffreien Energielösung" gegen die Klimaerwärmung anzubieten, wie auch Frau Greta Thunberg das bereits getan hat, wäre nach den Erfahrungen von Harrisburg (1979), Tschernobyl (1986) und Fukushima (2011) mit tödlicher Sicherheit bald wieder katastrophal – im ursprünglichsten Wortsinn.

Möglicherweise wird die Hysteriewelle um die Klimaerwärmung aber auch ganz von alleine wieder abklingen. Dann nämlich, wenn die Studie der 'University of California' aus 2017, wonach uns auf Grund der verminderten Sonnenflecken bereits ab den 2020er-Jahren eine weitere kleine Eiszeit droht, eintrifft. Dann könnte es sogar sehr sinnvoll werden, möglichst viel CO2 in die Atmosphäre zu blasen. Denn eine weitere kleine Eiszeit wie in der Frühen Neuzeit würde unausweichlich zu weltweiten massiven Versorgungskrisen und damit Verteilungskriegen führen – in einem Ausmaß, daß uns selbst die beiden Weltkriege des 20. Jht. dagegen harmlos erscheinen würden. Denn statt der ca. 400 Millionen Menschen im Jahr 1300 gibt es nun bereits fast 20mal soviele Erdbewohner. Womit wir wieder beim zentralen Problem wären – der Bevölkerungsexplosion.

 

Zum Autor:
Günter Ofner (* 1958) war einer der ersten Grünen in Österreich und bereits ab 1977 Anti-AKW (Zwentendorf)-Aktivist.
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Von 1982 bis 1998 hat er sich bei den bürgerlichen Grünen (VGÖ, BGÖ) engagiert, war u. a. deren Generalsekretär und Wiener Landesvorsitzender und auch Mitglied des von Günther Nenning organisierten und geleiteten 'Hainburger Einigungskomitees'.
Ofner wurde drei Mal in öffentliche Funktionen gewählt, war 1991-1996 Mitglied der Bezirksvertretung Wien-Währing und 1991-1995 Mitglied des Zentralausschusses der ÖH.
1995-1997 hat er das erfolgreiche 'Volksbegehren für ein atomfreies Österreich' (248.787 gültige Unterschriften) organisiert, war dessen Sprecher und Zustellungsbevollmächtiger und hat es auch im Parlamentsausschuß vertreten, das schließlich 1999 vom Nationalrat einstimmig beschlossen worden ist.
Nach seiner politisch aktiven Zeit hat sich Ofner vor allem geschichtlichen Fragen zugewandt, beschäftigt sich oft mit den heutigen Auswirkungen historischer Vorgänge und hat auch hier bereits viel publiziert.